Sonntag, 26. Februar 2012

Ätherisches Öl gegen Akne

Akne ist der Oberbegriff für Erkrankungen in talgdrüsenreichen Regionen vor allem im Gesicht, auf Schultern und Rücken die allgemein als Pickel bezeichnet werden. In der Pubertät sind 60-80% der 12- bis 25-Jährigen in Deutschland von Akne betroffen.

Häufig ist Akne bedingt durch:
•    Genetische Faktoren
•    Zu viel Talg in den Poren. Talg ist der "Brennstoff der Akneflamme"!
•    Verhornungsstörungen
•    Bakterienkolonisation durch Propionibacterium acnes
•    Psychische Faktoren wie Stress
•    Falsche Ernährung
•    Medikamente

Die bekannteste Form der Akne ist die Akne vulgaris. Je nach Bild und Ausprägung unterscheidet man diese noch in Akne comedonica, Akne papulopustulosa und Akne conglobata.

Infolge von zu viel Talg kommt es zum Verkleben der Poren. Gleichzeitig wird sich neu bildender Talg in der Pore zurückgestaut (Akne comedonica). Durch eitrige Einschmelzung von Talg und des Bakteriums P. acnes entstehen Pusteln (Akne papulopustulosa). Reicht der Entzündungsprozess bis in die Tiefe der Haut, bilden sich schmerzhafte, große Pickel (Akne conglobata). Diese großen Pickel brechen nach einigen Tagen, wie die Eruption eines Vulkans, auf und es entleert sich Eiter, der aus zersetztem Talg und P. acnes-Bakterien besteht.


Ein entzündeter Pickel ist vergleichbar mit einem explodierenden Vulkan

Darüber hinaus existieren noch Formen der Akne wie, Akne fulminans, Akne inversa, Mallorca-Akne, Akne infantum, Akne medicamentosa (Medikamentenakne), Berufsakne, Öl-Akne, Teer-Akne, Chlor-Akne, Akne venenata, Röntgen-Akne, Akne excoriée des jeunes filles.

Vor einer Therapie muss also erst einmal die Ursache der Akne abgeklärt werden. Das macht der Arzt mittels der Untersuchung und Anamnese, d.h. er stellt Fragen zum Zeitpunkt des Auftretens, Verlauf (spontan, schleichend), familiärer Häufung, Kosmetika, Medikamente, bisherige Behandlung, Allergien, sonstige Erkrankungen. Eine Beurteilung des Zustandes der Akne ist vor Therapiebeginn sinnvoll, um den Therapieerfolg später messen zu können: z.B. Auszählung aller Pickel pro Gesichtshälfte bzw. in einem 20 x 20 cm großen Feld und Einteilung nach offen/geschlossen, Papeln, Papulopusteln, Knoten.

Vor der Therapie erfolgt also erstmal die Festlegung des Schweregrades sowie Schwere der Manifestation. Die Therapie ist dann abhängig vom Typ der Akne, vom Schweregrad der Akne, dem Alter der Patienten sowie vom Hauttyp. Bei Formen der Akne, die trotz stadiengerechter Therapie und entsprechender Mitarbeit des Patienten nicht abheilen, sollte auch an andere Ursachen gedacht werden wie Systemerkrankungen.

Bei allen Patienten mit einer nicht entzündlichen, milden Akne ist es ausreichend, denn die Medikamente nur lokal angewendet werden. Bei örtlicher Anwendung wird der Wirkstoff direkt an den Wirkort gebracht. Es kann hierbei die Gesamtkörperdosis gering gehalten werden und somit das Nebenwirkungsrisiko vermindert werden. 


                         Akne vulgaris bei einem 14-jährigen Jungen.                                                            





Weiterhin zu wenig bekannt ist, dass ätherisches Öl bei der Therapie der Akne eingesetzt werden kann. Relativ verbreitet ist das Wissen, dass man Pickeln mit ätherischem Öl vom Teebaum zu Leibe rücken kann. Der strenge Duft des ätherischen Öls vom Teebaum ist jedoch nicht jedermanns Sache, was Betroffene dann dazu verleitet wieder auf synthetische Präparate zurückzugreifen. Dabei zeigt eine Studie, dass auch anderes, angenehm duftendes ätherisches Öl wie z.B. Rosenöl sich äusserst hilfreich bei der Reduzierung der Akne verursachenden Bakterien verhält.

An der chinesischen Northeast Forestry University wurden im Jahr 2010 die Aktivitäten von zehn ätherischen Ölen gegen Propionibacterium acnes getestet, nämlich:

Minze (Mentha spicata L., Lamiaceae),
Ingwer (Zingiber officinale Rosc., Zingiberaceae),
Zitrone (Citrus limon Burm.f., Rutaceae), 
Grapefruit (Citrus paradisi MACF., Rutaceae),
Jasmin (Jasminum grandiflora L., Oleaceae),
Lavendel (Mill., Lamiaceae),
Kamille (Matricaria chamomilla L., Compositae),
Thymian (Thymus vulgaris L., Lamiaceae),
Rose (Rosa damascena Mühle., Rosaceae) und
Zimt (Cinnamomum zeylanicum N. Lauraceae)

Im Ergebnis zeigten die ätherischen Öle von Thymian, Zimt, und Rose die beste antibakterielle Aktivitäte gegen P. acnes. P. acnes, reichlich in Talgdrüsen zu finden und Verursacher von Pickeln, wurde komplett nach 5 min zerstört. 

In dem Video sind das blühende Thymiankraut, das ätherische Öl und die Zubereitung eines Hustentees aus Thymiankraut zu sehen und es wird angesprochen wobei Thymian hilft.



Es stehen der Naturheilkunde zur Therapie der Akne eine Reihe von Substanzen zur Verfügung. Dennoch wird meistens aus Unwissenheit mit chemischen Kanonen auf Spatzen geschossen. Die schulmedizinische Therapie beinhaltet reinigende Agenzien, komedolytische, antibiotische und auch antientzündliche Substanzklassen. Alle sind auf ihre Weise wirksam, aber auch nicht frei von Nebenwirkungen, wie die folgenden Beispiele zeigen.

Dermatologisches Mittel der 1. Wahl ist das Vitamin-A-Säure-Derivat Tretinoin. Tretinoin wird in Cremes, Lösungen und Gelen angewandt. Mundwinkel und Lidregion sind auszusparen. Bei etwa 30% der Patienten kommt es nach 2-4 Behandlungswochen zum Aufschießen von Pusteln infolge von Rupturen der Mikrokomedonen. Nach etwa 4 Wochen gehen die Reizungen zurück. Der Therapieerfolg ist aufgrund der Befundverschlechterung zu Beginn der Behandlung erst nach 3 Monaten zu beurteilen.
Eine direkte Sonnenbestrahlung ist zu vermeiden, da Tretinoin und Isotretinoin die Erythemschwelle erniedrigen und nicht lichtstabil sind. Das Kapselmaterial bei innerlicher Einnahme von Isotretinoin enthält Erdnussbestandteile! Bei einer Erdnussallergie ist dieses Medikament zu vermeiden.
      
Azelainsäure funktioniert in hohen Konzentrationen antimikrobiell. Der Wirkungseintritt setzt, im Vergleich zu anderen Aknetherapeutika, etwas später ein. Vorübergehend kann es zu Reizung, Schuppung, Brennen und Juckreiz in den ersten 2-4 Wochen kommen. In der Regel wird Azelainsäure gerade bei empfindlicher Haut (Atopiker) häufig besser als andere externe Aknetherapeutika vertragen. Azelainsäure kann auch in der Schwangerschaft verabreicht werden.

Benzoylperoxid wirkt keratolytisch und stark antimikrobiell ohne die Gefahr der Resistenzentwicklung. P. acnes wird rasch vernichtet. Nach Auftragen von Benzoylperoxid kommt es anfänglich zu Hautreizungen mit Austrocknung der Haut, Rötung und Schuppung in den ersten Tagen bis Wochen. Ein Gewöhnungseffekt stellt sich gewöhnlich innerhalb weniger Wochen ein. Bei der Anwendung auf atopischer Haut/Neurodermitis ist besondere Vorsicht geboten. Es kann zu einer Allergie gegenüber Benzoylperoxid kommen. Patienten müssen auf die Tatsache hingewiesen werden, dass die Creme Haare, Kleidung und Bettwäsche, Handtücher etc. entfärbt oder ausbleicht.

Topische Antibiotika bewirken eine Wachstumshemmung von Propionibacterium acnes. Lokale Nebenwirkungen bestehen in Rötung, Schuppung und Brennen der Haut. Selten kann es auch nach topischer Anwendung von Clindamycin zu blutigen Durchfällen und einer Kolitis kommen. Die Anwendung topischer Antibiotika sollte aufgrund der Gefahr einer Resistenzentwicklung zeitlich begrenzt sein. Bei langfristiger Anwendung kann es zu einer Resistenz, Selektion des Keimspektrums zu Gunsten gramnegativer Erreger, kommen.


Blattgold Dr.Becker







Quellen:
Zu Y, Yu H, Liang L, Fu Y, Efferth T, Liu X, Wu N. Activities of ten essential oils towards Propionibacterium acnes and PC-3, A-549 and MCF-7 cancer cells. Molecules. 2010 Apr 30; 15 (5) :3200-10.

P. Altmeyer: Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie, Allergologie, Umweltmedizin. Springer-Verlag 2010

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